Neue Broschüre: Der spanische BürgerInnenkrieg (1936-1939)

Unsere neue Broschüre: „Der spanische BürgerInnenkrieg (1936-1939)“ (ca. 122 Seiten) von Soziale Befreiung (Hg.) ist da. Die Broschüre könnt Ihr für 5-€ (inkl. Porto) hier über Onlinemarktplatz für Bücher booklooker.de bestellen.

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In­halt

Ein­lei­tung

Der spanische BürgerInnenkrieg als innerkapitalistischer Konflikt

1. Der spanische Kapitalismus
2. Klassenkämpfe in Spanien (1931-1936)
3. Der Putsch der Generäle
4. Die institutionalisierte ArbeiterInnenbewegung verteidigt(e) den demokratischen
Kapitalismus

Die antifaschistische Volksfront gegen das Proletariat

1. Stalinistische Mordbuben und Folterknechte
2. CNT: Gewerkschaftskapitalismus und Staatssyndikalism
3. Die POUM als linkes Feigenblatt der Konterrevolution
4. Der trotzkistische Einheitsfront-Antifaschismus

Frauen im Klassenkampf und BürgerInnenkrieg

1. Die Lage spanischer Frauen vor dem BürgerInnenkrieg
2. Spanische Frauen in BürgerInnenkrieg
3. Nach dem BürgerInnenkrieg

Der trotzkistische Einheitsfront-Antifaschismus

Trotzki schrieb ganz richtig über die bürgerlich-nationale Volksfront einschließlich ihrer anarchistischen MinisterInnen während der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts: „Was die bürgerlich-republikanischen Parteien betrifft, so besaßen sie weder eigene Ideen noch eigene politische Bedeutung und hielten sich nur auf dem Buckel der Reformisten und Anarchisten. Man kann weiterhin ohne Übertreibung sagen, die Führer des spanischen Anarchosyndikalismus haben alles getan, um ihre Doktrin zu desavouieren und praktisch ihre Bedeutung auf Null zu reduzieren. (…) Nach Auffassung der Sozialisten und Stalinisten, d.h. der Menschewiki ersten und zweiten Aufgebots, sollte die spanische Revolution nur ihre ,demokratischen‘ Aufgaben lösen, und dazu sei eine Einheitsfront mit der ,demokratischen‘ Bourgeoisie erforderlich. Jeder Versuch des Proletariats, über den Rahmen der bürgerlichen Demokratie hinauszugehen, ist von diesem Gesichtspunkt nicht nur verfrüht, sondern auch verhängnisvoll. Außerdem steht nicht die Revolution, sondern der Kampf gegen den Rebellen Franco auf der Tagesordnung. Der Faschismus ist jedoch nicht feudale, sondern bürgerliche Reaktion. Erfolgreich kann die bürgerliche Reaktion nur mit den Kräften und Methoden der proletarischen Revolution bekämpft werden. Dafür hat der Menschewismus, selbst ein Zweig des bürgerlichen Denkens, kein Verständnis und kann es auch nicht haben.“ (Leo Trotzki, Die spanische Lehre: eine letzte Warnung, a.a.O., S. 295.)
Bleibt nur hinzuzufügen, dass der Trotzkismus ebenfalls ein Produkt bürgerlichen Denkens ist. Er blieb den sowjetischen Staatskapitalismus und seiner Ideologie, dem Leninismus, verpflichtet. Deshalb war und ist auch der Trotzkismus unfähig zu sehen, dass die Wurzeln der stalinistischen Volksfront-Politik schon im Leninismus angelegt waren. Schon als die „Kommunistische“ Internationale durch das staatskapitalistische Lenin/Trotzki-Regime gegründet wurde, bekämpfte die Moskauer Partei- und Staatsbürokratie global sozialrevolutionäre Positionen als „ultralinke Kinderkrankheit“. Die radikalmarxistischen SozialrevolutionärInnen lehnten die Reproduktion des parlamentarischen und gewerkschaftlichen Sozialreformismus, zu der auch Einheitsfronten mit sozialdemokratischen Parteiapparaten gehörten, durch den Leninismus ab. In Deutschland gründete sich 1920 die relativ starke antiparlamentarische und gewerkschaftsfeindliche Kommunistische Arbeiter-Partei Deutschlands (KAPD). Die sich von der KAPD abspaltenden RätekommunistInnen lehnten auch die Partei generell als bürgerlich-bürokratische Organisationsform ab. Der Rätekommunismus war auch ein geistiger Pionier bei der marxistischen Kritik des Bolschewismus. Er erkannte schon den staatskapitalistischen Charakter des Lenin/Trotzki-Regimes. Der Rätekommunismus kritisierte den moskauhörigen Partei-„Kommunismus“ als radikale Sozialdemokratie. Der mit der Tradition der KAPD und/oder des italienischen Radikalleninismus (z.B. Bordiga, Bilan) verbundene parteienförmige Linkskommunismus war in seiner Kritik wesentlich weniger radikal als der Rätekommunismus. Der nachmarxistische und nachanarchistische Kommunismus knüpft am Rätekommunismus an, verschärft ihn aber zu einer materialistischen und systematischen Kritik auch an Marx und Engels. Vom italienischen Linkskommunismus übernehmen wir allerdings die radikale Demokratie- und Antifaschismus-Kritik. Hier hatte der Rätekommunismus einige Schwächen, die wir schon an anderer Stelle kritisiert haben.
Von diesem klaren sozialrevolutionären Standpunkt aus kritisieren wir auch den trotzkistischen Einheitsfront-Antifaschismus. Trotzki kritisierte zwar den Volksfront-Antifaschismus, der auf Bündnissen zwischen den Apparaten der institutionalisierten ArbeiterInnenbewegung und „normalen“ bürgerlichen Parteien beruhte – aber er trat für antifaschistische Einheitsfronten zwischen den Apparaten der institutionalisierten ArbeiterInnenbewegung ein. Bei einer radikalen materialistisch-revolutionären Analyse sind aber auch diese Apparate bürgerlich-bürokratisch, die nur die bürgerliche Politik und damit die Kapitalvermehrung reproduzieren können. Einheitsfronten zwischen den Apparaten der institutionalisierten ArbeiterInnenbewegung können also nur reaktionär sein. Die verschiedenen realen Einheitsfronten zwischen Sozialdemokratie, Stalinismus, Trotzkismus und Anarchosyndikalismus in der Geschichte waren dann auch tendenziell nicht weniger sozialreaktionär als die antifaschistischen Volksfronten. Eine Einheitsfront aus Sozialdemokratie und Stalinismus konnte zum Beispiel nur proprivatkapitalistisch oder prostaatskapitalistisch sein. Waren die Bourgeoisie und die Sozialdemokratie stärker als die StalinistInnen war die Einheitsfront proprivatkapitalistisch. Jedoch war nach dem Zweiten Weltkrieg durch die militärische Besetzung Osteuropas durch die UdSSR die Situation anders. Hier waren die Einheitsfronten und späteren Einheitsparteien eindeutig von den StalinistInnen beherrscht und nach dem Einsetzen des Kalten Krieges eindeutig prostaatskapitalistisch. Trotzkis Kampf für eine antifaschistische Einheitsfront aus SPD und „K“PD gegen Hitler, war objektiv ein Kampf zur Verteidigung der Weimarer Demokratie gegen den Faschismus – und damit objektiv sozialreaktionär. Bei der Stärke von Bourgeoisie und Sozialdemokratie konnte die Einheitsfront der letzteren mit dem Stalinismus nur proprivatkapitalistisch sein. Mal abgesehen davon, dass eine prostaatskapitalistische Einheitsfront auch reaktionär gewesen wäre. Eine solche reaktionäre Einheitsfront aus den beiden staatskapitalistischen Strömungen Stalinismus und Trotzkismus gab es zum Beispiel in Vietnam – bevor der Stalinismus den Trotzkismus auch dort blutig liquidierte. Der vietnamesische Trotzkismus hat durch seine opportunistische Einheitsfrontpolitik seiner eigenen Vernichtung Vorschub geleistet.
Wir stellen den antifaschistischen Volks- und Einheitsfronten der bürgerlichen Politik den selbstorganisierten Klassenkampf des Proletariats und die soziale Aktionseinheit der kämpfenden Klasse gegenüber. Wir SozialrevolutionärInnen beteiligen uns an fast allen reproduktiven Klassenkämpfen des Proletariats – außer es werden total reaktionäre Forderungen gegen andere Teile des Proletariats aufgestellt. Gleichzeitig kritisieren wir SozialrevolutionärInnen in unseren Gesprächen mit unseren KollegInnen und Klassengeschwistern im gemeinsamen Kampf ihre sozialreformistischen Illusionen. Die Gewerkschafts- und ParteibürokratInnen jedoch, welche die „Führung“ oder besser gesagt die Bremse der reproduktiven Klassenkämpfe darstellen, bekämpfen wir kompromisslos! Auch am defensiven Kampf gegen Nazis nehmen wir selbstverständlich teil – aber organisatorisch und vor allem geistig immer getrennt vom Antifaschismus, den wir permanent unerbittlich als sozialreaktionäre Ideologie und Praxis bekämpfen. SozialrevolutionärInnen verteidigen sich gegen Demokratie und FaschistInnen – aber sie verteidigen niemals die Demokratie gegen den Faschismus.
Das war und ist ein fundamentaler Unterschied zum Trotzkismus. Dieser bekämpfte das Volksfront-Regime politisch, verteidigte dieses aber militärisch gegen Franco. So schrieb Trotzki: „1. Der Unterschied zwischen Negrin und Franco ist der Unterschied zwischen der verfaulten bürgerlichen Demokratie und dem Faschismus. 2. Überall wo, und immer wenn die revolutionären Arbeiter nicht stark genug sind, unmittelbar das bürgerliche Regime zu stürzen, verteidigen sie gegen den Faschismus sogar die verfaulte bürgerliche Demokratie…“ (Leo Trotzki, Antworten auf einige Fragen, die spanische Lage betreffend (Gedrängte Zusammenfassung), in: Leo Trotzki, Revolution und Bürgerkrieg in Spanien 1931-39, Band 2 1936-39, a.a.O., S. 271.) Der Trotzkismus teilte und teilt also die Grundideologie des Antifaschismus: die Verteidigung der Demokratie. Damit war und ist auch der Trotzkismus sozialreaktionär. Im Unterschied zum Volksfront-Antifaschismus, trat er aber langfristig für den Sturz des Volksfront-Regimes – während er gegenwärtig den militärischen Kampf dieses Regimes gegen Franco unterstützte, einen innerkapitalistischen reaktionären Krieg, in dem die ArbeiterInnen für Kapitalinteressen, für die spanische Demokratie und den sowjetischen Imperialismus verheizt wurden: „Die Negrin-Stalin-Regierung ist ein scheindemokratisches Hindernis auf dem Weg zum Sozialismus, aber auch ein zwar nicht verlässliches oder dauerhaftes, aber immerhin ein Hindernis auf dem Weg zum Faschismus. Morgen, übermorgen kann das Proletariat vielleicht dieses Hindernis wegräumen und die Macht ergreifen. Wenn es aber heutzutage, und sei es auch nur passiv, zu seiner Beseitigung Hilfestellung geben würde, dann würde es nur dem Faschismus Vorschub leisten.“ (Leo Trotzki, Über die „Ultralinken“ im Allgemeinen und die Unheilbaren im Besonderen, in: Leo Trotzki, Revolution und Bürgerkrieg in Spanien 1931-39, Band 2 1936-39, a.a.O., S. 285.) Die spanischen ArbeiterInnen sollten also an ihren Arbeitsplätzen und an der Front weiter schwitzen und bluten für den Unterschied zwischen Stalins und Francos Folterkammern? RevolutionärInnen kämpfen gegen den Kapitalismus, unterstützen aber nicht – und sei es noch so „kritisch“ – eine Fraktion der kapitalistischen Konterrevolution gegen eine andere.
Die revolutionäre Position zum spanischen BürgerInnenkrieg, den der Rätekommunist Paul Mattick 1937 bezog, richtete sich also auch gegen den Trotzkismus: „Die Volksfront ist nicht ein geringeres Übel für die Arbeiter. Es ist nur eine weitere Diktatur in Ergänzung zum Faschismus. Der Kampf muss gegen den Kapitalismus geführt werden.“ (Zitiert nach Red Devil, Widerworte – Gegen die kapitalistische Verfasstheit der Gesellschaft, Historische Texte, a.a.O., S. 17.) Die bolschewistischen Taktikspielchen des Trotzkismus entwaffneten die ArbeiterInnen geistig gegenüber dem kapitalistischen Krieg und der antifaschistischen Konterrevolution, während nur die Links- und RätekommunistInnen den konsequenten Klassenkampf gegen den Kapitalismus vertraten. Allerdings gab es im Trotzkismus auch Strömungen, die eine militärische Verteidigung des Volksfront-Regimes ablehnten. Doch für die Hauptströmungen des Trotzkismus waren und sind wirklich revolutionäre Positionen nur „SektiererInnentum“. So betonte der Trotzkist Les Evans die Bedeutung von Trotzkis Pädagogik „die ganze Vierte Internationalistische Bewegung in zweifacher Hinsicht zu erziehen: zur Ablehnung nämlich der Sektierer in ihren Reihen, die gegen die Unterstützung des republikanischen militärischen Kampfes gegen Franco im Bürgerkrieg waren, wie auch der Zentristen, die bei der Frage einer Volksfrontpolitik eine schwankende Haltung zeigten.“ (Les Evans, Einleitung zur Amerikanischen Ausgabe zu Leo Trotzki, Revolution und Bürgerkrieg in Spanien 1931-39, a.a.O., S. 16/17.)
Der Trotzkismus bekämpft also weiterhin die wirkliche revolutionäre Kritik am Antifaschismus, während er seinen inkonsequenten Einheitsfront-Antifaschismus als einzige revolutionäre Alternative zur Volksfront-Politik darstellt.
Im Vorwort zu Felix Morrows Revolution und Konterrevolution in Spanien behauptete die damalige trotzkistische Sekte Bund Sozialistischer Arbeiter (BSA) 1986: „Stalinismus, Sozialdemokratie, Anarcho-Syndikalismus und Zentrismus –alle spielten eine entscheidende Rolle dabei, die revolutionäre Offensive der Arbeiterklasse zu brechen und schließlich den Triumph der faschistischen Reaktion zu ermöglichen. Nur die Anhänger von Leo Trotzki und die internationale Bewegung, die er anführte, kämpften gegen den Verrat an der spanischen Arbeiterklasse, der unter dem trügerischen Banner der Volksfront begangen wurde, und zeigten in jedem Moment der Entwicklung den Weg vorwärts. Und es waren Trotzki und die Vierte Internationale, die für die ganze internationale Arbeiterklasse die bitteren Lehren aus der Niederlage in Spanien zog.“ (S. 7.) Diese Ignoranz gegenüber marxistischen KritikerInnen des Stalinismus und Trotzkismus!
Allerdings muss noch angemerkt werden, dass Trotzkis SchülerInnen um einiges opportunistischer waren, als der Meister selbst. So unterschied Trotzki – im Gegensatz zu einem Teil seiner damaligen GenossInnen – zwischen einer politischen und einer militärischen Unterstützung der spanischen Volksfront. So war der damalige US-amerikanische Trotzkist Shachtman der Meinung, ein imaginärer trotzkistischer Parlamentsabgeordneter in Spanien hätte auch für den Militärhaushalt der Volksfront-Regierung stimmen müssen. Das sah Trotzki nicht so. Er schrieb in einem Brief an den amerikanischen Trotzkisten James P. Cannon: „Eine Stimmabgabe im Parlament für das Finanzbudget ist keine ,materielle‘ Hilfe, sondern ein Akt politischer Solidarität. Wenn wir für Negrins Budget stimmen können, warum sollten wir nicht unsere Vertreter in seine Regierung entsenden können? Auch das könnte als eine ,materielle Hilfe‘ interpretiert werden. Die französischen Stalinisten setzen ihr volles Vertrauen in die Volksfrontregierung, offiziell aber nehmen sie an ihr nicht teil. Wir bezeichnen diese Art der Nichtbeteiligung als die schlimmste, verderblichste Art einer Beteiligung.“ (Leo Trotzki, Brief an James P. Cannon, in: Leo Trotzki, Revolution und Bürgerkrieg in Spanien 1931-39, Band 2 1936-39, a.a.O., S. 279.) Auch die „kritische“ Unterstützung eines innerkapitalistischen Krieges ist sozialreaktionär, Herr Trotzki!
Die damaligen spanischen TrotzkistInnen wollten sowohl am innerkapitalistischen Krieg teilnehmen, als auch den Klassenkampf gegen das antifaschistische Volksfront-Regime revolutionär zuspitzen. Bei aller Sympathie für den damaligen Mut der TrotzkistInnen – es gehörte damals verdammt viel Mut dazu, Trotzkist zu sein! – war das objektiv strukturell opportunistisch. So verteilten die spanischen TrotzkistInnen während der Barrikadenkämpfe in Barcelona im Mai 1937 folgendes Flugblatt: „Lang lebe die revolutionäre Offensive. Keine Kompromisse. Entwaffnung der republikanischen Nationalgarde und der reaktionären Asalto-Garden. Dies ist der entscheidende Moment. Das nächste Mal wird es zu spät sein. Generalstreik in allen Industriezweigen, ausgenommen jene, die mit der Fortführung des Krieges verbunden sind, bis zum Rücktritt der reaktionären Regierung. Nur die proletarische Macht kann den militärischen Sieg sichern. Vollständige Bewaffnung der Arbeiterklasse. Lang lebe die Einheit der Aktion von CNT-FAI-POUM. Lang lebe die revolutionäre Front des Proletariats. Komitees der revolutionären Verteidigung in den Geschäften, Fabriken, Distrikten. Bolschewiki-Leninisten, Sektion Spanien (für die Vierte Internationale)“ (Zitiert nach Felix Morrow, Revolution und Konterrevolution in Spanien, a.a.O., S. 146.)
Die RüstungsarbeiterInnen sollten also nicht mitstreiken, weil der innerkapitalistische Krieg selbst noch in der Zuspitzung des Klassenkampfes von den TrotzkistInnen verteidigt wurde! Auch orientierte der Trotzkismus die ArbeiterInnen nicht auf die Zerschlagung des demokratischen Staates, sondern nur auf „den Rücktritt der reaktionären Regierung“! Die TrotzkistInnen ließen auch den linken Flügel der antifaschistischen Konterrevolution, CNT-FAI-POUM, hochleben. Typischer trotzkistischer Einheitsfront-Opportunismus! Hätte es damals in Spanien eine wirkliche sozialrevolutionäre Strömung gegeben, so hätte sie ein Flugblatt verteilen müssen, indem folgendes gestanden hätte: „Wir, das Proletariat, sind zwischen den Hammer Francos und den Amboss von Caballero-Stalin geraten. Um nicht zerschlagen zu werden, müssen wir unseren revolutionären Klassenkrieg gegen beide Seiten, gegen den Kapitalismus, führen. Generalstreik, Fabrikräte, Arbeitermilizen, Klasse gegen Klasse! Nieder mit der antifaschistischen Ideologie, die uns an den Kapitalismus binden und von der Revolution abhalten soll! Jetzt richtet die demokratisch-stalinistische Konterrevolution auch ihr blutiges Strafgericht gegen den Schwanz der Konterrevolution: CNT, FAI und POUM. Die CNT-Bonzen rufen uns zur Kapitulation auf. Kein Wunder, organisiert diese Gewerkschaft doch unsere Ausbeutung mit! Keine Illusionen in die „anarchistischen“ und „marxistischen“ Gewerkschafts- und Parteibonzen. Wenn wir jetzt gegen die republikanisch-stalinistische Konterrevolution kämpfen, dann für uns – nicht für CNT und POUM! Nieder auch mit diesem Schwanz der Konterrevolution! Es lebe der selbstorganisierte revolutionäre Klassenkrieg gegen Franco und die antifaschistische Volksfront!“

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Trotzki schrieb am 1. Juli 1939: „Es ist schwierig, sich eine einfältigere Erfindung als die Hitlers und Mussolinis vorzustellen, wenn sie auf die spanischen Ereignisse als Beweis für die revolutionäre Einmischung der Sowjetunion verweisen. Die spanische Revolution, die ohne Moskau und unerwartet für es ausbrach, strebte bald dahin, einen sozialistischen Charakter anzunehmen. Moskau fürchtete vor allem, dass die Beeinträchtigung des Privateigentums auf der Iberischen Halbinsel London und Paris zu einer Annäherung an Berlin gegen die UdSSR bringen würde. Nach einigem Zögern intervenierte der Kreml in die Ereignisse, um die Revolution in den Grenzen des bürgerlichen Regimes zu halten.
Alle Aktivitäten der Moskauer Agenten in Spanien waren darauf abgestellt, jede unabhängige Bewegung der Arbeiter und Bauern zu lähmen und die Bourgeoisie mit einer gemäßigten Republik zu versöhnen. Die spanische Kommunistische Partei stand auf dem rechten Flügel der Volksfront. Am 21. Dezember 1936 empfahlen Stalin, Molotov und Woroschilow eindringlich in einem vertraulichen Brief an Largo Caballero, dem damaligen spanischen Ministerpräsidenten, dass es keine Eingriffe in das Privateigentum geben dürfe und dass dem ausländischen Kapital Garantien gegen die Verletzung der Handelsfreiheit und für die Aufrechterhaltung des parlamentarischen Systems – ohne Duldung der Entwicklung der Sowjets – gegeben werden müsse. Dieser kürzlich von Caballero der Presse durch den ehemaligen spanischen Gesandten in Paris, L. Araquistain zugeleitete Brief(New York Times vom 4. Juni 1939) fasste aufs Beste die konservative Position der Sowjetregierung gegenüber der sozialistischen Revolution zusammen.
Wir müssen im Übrigen dem Kreml Gerechtigkeit widerfahren lassen. Die Politik blieb nicht bei Worten stehen. Die GPU in Spanien führte eine rücksichtslose Unterdrückung gegen den revolutionären Flügel durch (,Trotzkisten‘, POUMisten, linke Sozialisten, linke Anarchisten). Jetzt, nach der Niederlage (dem Sieg Frankos im BürgerInnenkrieg, Anmerkung von Nelke), werden die Grausamkeiten und Fälschungen der GPU in Spanien bereitwillig von den gemäßigten Politikern aufgedeckt, die weitgehend den Moskauer Polizeiapparat in Anspruch nahmen, um ihre revolutionären Gegner zu vernichten.“ (Leo Trotzki, Die konterrevolutionäre Rolle des Kreml, in: Leo Trotzki, Revolution und Bürgerkrieg in Spanien 1931-39, Band 2 1936-39, a.a.O., S. 333/334.
Heinz Abosch schrieb dazu: „Vor allem täuschte sich Trotzki in der Beurteilung der Politik Stalins. Er sah darin ein Mittel um die Revolution im bürgerlich-demokratischen Rahmen einzuzwängen; er sah nicht, dass diese bürgerlich-demokratisch vermummte Politik der Errichtung einer bürokratischen Diktatur diente, die Trotzki als ,Arbeiterstaat‘ zu verteidigen fortfuhr. Was Stalin in Spanien erprobte, wandte er nach 1945 im östlichen Europa auf breiter Grundlage an, als die ,Volksdemokratien‘ eine Etappe auf dem Wege zur Errichtung kommunistischer Regime darstellten“ (Heinz Abosch, Trotzki und der Bolschewismus, Ullstein Materialien, Frankfurt/M, Berlin, Wien 1984, S. 134/135.)
Abosch zeigte sich durch diese Worte als ein linksdemokratischer Trotzki-Kritiker. Fakt ist, dass sich der Terror Stalins nicht gegen bürgerliche DemokratInnen richtete, sondern gegen ihre linken KritikerInnen. Fakt ist auch, dass er den Kapitalismus des freien Privateigentums unangetastet ließ. Er war also ein Todfeind der sozialen Revolution. Ob Stalin nach einem Sieg über Franko auch die Demokratie und das Privateigentum an den Produktionsmitteln beseitigt hätte, können wir nicht wissen – Franco siegte im BürgerInnenkrieg, begünstigt durch Stalins Politik. Umso weniger konnte das Trotzki wissen – er konnte die Erfahrungen mit dem Sowjetimperialismus in Osteuropa nicht mehr machen, da er vorher von Stalins Schergen ermordet wurde. Auch muss beachtet werden, dass der sowjetische Imperialismus zwischen Anpassung an den Privatkapitalismus und Unterstützung der staatskapitalistischen Sozialreaktion hin und her schwankte. Darüber ob Stalin in Spanien das Privateigentum verteidigte oder letztendlich das Staatseigentum vorbereiten wollte, sollen sich unseretwegen DemokratInnen und TrotzkistInnen streiten –beide Seiten haben keine Ahnung von der sozialen Revolution. Aus unserer Sicht ist diese Frage auch unerheblich. Der „ArbeiterInnenstaat“ ist genauso ein erbitterter Feind der sozialen Revolution wie die Demokratie, die die spanischen Lohnabhängigen seit dem Tod Francos „genießen“ können.