Die Januarkämpfe in Berlin

Wir veröffentlichen hier das Kapitel „Die Januarkämpfe in Berlin“ aus der Broschüre „Die revolutionäre Nachkriegskrise in Deutschland (1918-1923)“. Die gesamte Broschüre „Die revolutionäre Nachkriegskrise in Deutschland (1918-1923“ könnt Ihr für 5-€ (inkl. Porto) auch als E-Bookhier über Onlinemarktplatz für Bücher booklooker.de bestellen.

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Die Januarkämpfe in Berlin

Nach dem missglückten konterrevolutionären Angriff der mehrheitssozialdemokratischen Regierungsmitglieder auf die Volksmarinedivision, verließen die USPD-Mitglieder das Ebert-Regime. Die Konterrevolution hatte die USPD-Regierungsmitglieder als „revolutionäres“ Feigenblatt gegen das Proletariat genutzt, um sich zu sammeln und zum entscheidenden Schlag gegen das Proletariat in der Hauptstadt auszuholen. Sowohl um ihn loszuwerden als auch um das klassenkämpferische Proletariat zu provozieren, entließ das preußische Ministerium des Inneren am 4. Januar 1919 den Berliner Polizeipräsidenten Emil Eichhorn. Dieser gehörte zum linken Flügel der USPD. Weder Eichhorn, noch die USPD, die „Revolutionären“ Obleute und die KPD (S) wollten diese Absetzung akzeptieren.
Derweil bereitete sich die Konterrevolution darauf vor, dem klassenkämpferischen Proletariat Berlins eine entscheidende Niederlage zuzufügen. So besichtigten ebenfalls am 4. Januar die Mitglieder der Regierung, Friedrich Ebert und Gustav Noske, die Freikorpsverbände in Zossen bei Berlin. Noske bekam am 6. Januar dann auch den Oberbefehl über die konterrevolutionären Bürgerkriegsverbände. Er übernahm diese Funktion mit den Worten: „Meinetwegen! Einer muss der Bluthund werden, ich scheue die Verantwortung nicht.“
Für den 5. Januar forderten die USPD, die „Revolutionären“ Obleute und die KPD (S) das Berliner Proletariat zu Demonstrationen für die Rücknahme der Absetzung von Eichhorn auf. Es demonstrierten dann auch hunderttausende ProletarierInnen und Soldaten gegen die Machenschaften der Konterrevolution. Auf dieser Demonstration wurden Forderungen nach der Entwaffnung der Konterrevolution, Bewaffnung des Proletariats, der Bildung einer Roten Garde und dem Sturz des Ebert-Regimes erhoben. Vom Balkon des Polizeipräsidiums sprachen Ernst Däumig, Eichhorn, Georg Ledebour (alle USPD) und Karl Liebknecht zum klassenkämpferischen Proletariat.
Die Führungen der USPD, der „revolutionären“ Obleute und die KPD-Vorstandsmitglieder Pieck und Liebknechte überschätzten die revolutionäre Entschlossenheit des Berliner Proletariats. Die falschen Einschätzungen und Versprechen des Mitgliedes der Volksmarinedivision, Heinrich Dorrenbach, dass die Volksmarinedivision geschlossen am revolutionären Sturz des Ebert-Regimes teilnehmen werde, erhöhte noch die Illusionen bei der Berliner USPD, einem Teil der „revolutionären“ Obleute und der KPDler Pieck und Liebknecht. Doch die Volksmarinedivision wurde nach den Weihnachtskämpfen von 1918 umstrukturiert. Viele Matrosen wurden aus Berlin versetzt und die in Berlin bleibenden Teile der Volksmarinedivision in die sozialreaktionäre Republikanische Soldatenwehr integriert. Diese strukturelle Veränderung der Volksmarinedivision veränderte auch ihr Bewusstsein. Entgegen der Ankündigung von Dorrenbach kämpfte dann auch die Volksmarinedivision in den sich entwickelnden Januarkämpfen nicht auf der Seite des revolutionären Proletariats. Auch die meisten anderen Truppenteile erklärten sich für neutral oder stellten sich gar auf die Seite der Konterrevolution. Und es gab keine bewaffneten ArbeiterInnenmilizen als Organe der Diktatur des Proletariats.
Als die Berliner USPD-Führung, die revolutionären Obleute und Teile der KPD (S) für den 6. Januar zum Sturz des Ebert-Regimes aufriefen, waren dafür also die objektiven Voraussetzungen nicht vorhanden. Mal abgesehen davon, dass nach der marxistischen Ideologie auch nicht die Zerschlagung, sondern die Eroberung des Staates geplant war. Doch dessen Ergebnis hätte höchstens ein prostaatskapitalistisches Regime wie in Russland sein können, doch für ein stabiles staatskapitalistisches Regime bestanden in Deutschland keine objektiven Grundlagen, wie wir schon im Kapitel Die Novemberrevolution ausführten. In Deutschland konnte nur die wirkliche soziale Revolution mit einer klassen- und staatenlosen Gesellschaft als Bollwerk des globalen Kommunismus oder die bürgerliche Konterrevolution siegen. Ersteres war nicht das klare Ziel des Berliner Proletariats in den Januarkämpfen, sondern ein paar subjektiv revolutionäre ParteipolitikerInnen versuchten den Staatsstreich, für den die Mehrheit des Proletariats nicht bereit war – also siegte die Konterrevolution.
So bildeten dann die PolitikerInnen aus USPD, revolutionären Obleuten sowie Pieck und Liebknecht von der KPD (S) für die Eroberung der Staatsmacht einen Revolutionsausschuss, dem 33 Mitglieder angehörten. Zu den drei Vorsitzenden des Revolutionsausschusses wurden Ledebour, Liebknecht und Paul Scholze gewählt. Auch die MSPD blieb nicht untätig. Sie rief ihre Anhänger am 6. Januar zu Sympathiekundgebungen mit der Regierung auf. Die „für den revolutionären Sturz“ des Ebert-Regimes mobilisierbaren ArbeiterInnen und Soldaten besetzten am Abend des 5. Januar und in der Nacht zum 6. verschiedene Gebäude im Zeitungsviertel, darunter auch das der sozialdemokratisch-reaktionären Giftspritze Vorwärts. Vom 6. bis 11. Januar erschien unter der proletarischen Besetzung der Rote Vorwärts als Organ des Januar-Aufstandes.
Am 6. Januar entfaltete sich der Generalstreik des Berliner Proletariats. 500.000 ArbeiterInnen und Soldaten demonstrierten in den Straßen und auf den Plätzen Berlins. Bewaffnete ArbeiterInnen und Soldaten besetzten die Eisenbahndirektion, das Proviantamt, die Reichsdruckerei, das Haupttelegraphenamt, die Reichsdruckerei und andere wichtige Gebäude. Mal abgesehen davon, dass alle objektiven Bedingungen gegen den versuchten Staatsstreich sprachen, brachte auch die USPD überhaupt nicht die subjektiven Bedingungen dafür mit. So erklärten sich bereits am 6. Januar gegen den Protest von Liebknecht und Pieck sowohl deren rechter Flügel als auch die „revolutionären Obleute“ zu Verhandlungen mit jener Regierung bereit, die mensch doch stürzen wollte! Diese Verhandlungen wurden vom Ebert-Regime nur geführt, um Zeit zu gewinnen. Sie war im Gegensatz zur USPD zu keinerlei Zugeständnissen bereit.
Die Mehrheit des Parteivorstandes der KPD (S) verurteilte sowohl den geplanten „revolutionären Sturz der Regierung“ als verfrüht, als auch die Verhandlungen der USPD als Kapitulation gegenüber der Konterrevolution. Auch untersagte sie Pieck und Liebknecht am 8. Januar die weitere Mitarbeit im „Revolutionsausschuss“. Die KPD (S) orientierte ihre Mitglieder auf den konsequenten Kampf gegen die Konterrevolution.
Am 9. Januar riefen die Leitung der Berliner USPD, die Zentrale der KPD und die revolutionären Obleute zum Generalstreik auf. In der Nacht zum 10. Januar besetzten Noske-Schergen die Druckerei der KPD-Zeitung Rote Fahne. In den Morgenstunden begann der konterrevolutionäre Sturm gegen das von RevolutionärInnen besetzte Vorwärts-Gebäude. Sieben unbewaffnete Parlamentäre des Vorwärts-Gebäudes wurden vom Noske-Geschmeiß bestialisch ermordet. Letzte Kämpfe entbrannten am 12. Januar um das Polizeipräsidium. Am 13. Januar wurde Berlin von den konterrevolutionären Truppen besetzt, die Terror, Angst und Hass in der Hauptstadt verbreiteten. Die Januarkämpfe endeten in einer verheerenden Niederlage für das Berliner Proletariat. Als Höhepunkt des konterrevolutionären Terrors wurden nach Beendigung der Kämpfe am 15. Januar Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg ermordet.
Aus Solidarität mit dem Berliner Proletariat organisierten der linke Flügel der USPD und die KPD Kundgebungen, Demonstrationen und Streiks der ArbeiterInnen unter anderem in Brauschweig, Dortmund, Erfurt, Halle (Saale), Hamborn, Hamburg, Mülheim (Ruhr), Wolfenbüttel und in Zwickau. Bewaffnete Konflikte zwischen dem klassenkämpferischen Proletariat und der Konterrevolution entwickelten sich unter anderem in Dresden, München, Nürnberg und Stuttgart. Das Proletariat von Leipzig entwaffnete am 9. Januar Regierungstruppen, die für den Einsatz in Berlin vorgesehen waren.


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