Sozialer Widerstand ist neben den Gruppen Bibliothek des Widerstandes aus Lübeck, Soziale Befreiung aus Bad Salzungen und Sociaal revolutionaire beweging aus Groningen, Holland Teil eines sozialrevolutionären Netzwerkes und es gibt auch Diskussionszirkel auf rusisch(tenox.livejournal.com) und armenisch(rgfront.livejournal.com).


Der Kampf gegen den Kapitalismus

Für proletarische RevolutionärInnen muss der Kampf ganz klar gegen den Kapitalismus als soziales Verhältnis geführt werden. Es ist kein wirklicher Kampf gegen den Kapitalismus, wenn „radikalere“ linke Gruppen auf unzähligen Demos sich „auch“ gegen den Kapitalismus aussprechen, aber im Hier und Heute brav die Rolle von Hauslinken des demokratischen Staates spielen.
Kapitalismus kann nicht wegdemonstriert werden. Der Hauptkampfplatz gegen den Kapitalismus ist nicht die Straße, sondern da wo die Macht des Kapitals und des Staates produziert wird: in den Betrieben, Büros, Laboren, Schulen und Universitäten. Nur dort kann der Kapitalismus auch zu Fall gebracht werden. Durch Klassenkampf. Dieser Klassenkampf stellt sich meist reproduktive Ziele: Mehr Lohn, kürzere Arbeitszeiten und Erhalt der Produktionsstandorte. Doch die ArbeiterInnen können sich in diesen reproduktiven Klassenkämpfen radikalisieren – zu einem revolutionärem Sein und Bewusstsein. So wie in der deutschen Nachkriegskrise (1918-1923), wo es eine revolutionäre Schicht von ArbeiterInnen gab, die sowohl von dem linken Flügel der bürgerlichen Politik (Sozialdemokratie, Partei-„Kommunismus“ und „Anarcho“-Syndikalismus) als auch von deren rechten Flügel (Konservative und Nazis) vernichtet oder integriert wurden.
Schon heute hat der reproduktive Klassenkampf seine revolutionären Tendenzen: Es wird langsam gearbeitet, Produkte und Produktionsmittel angeeignet. Und es entstehen unsichtbare Strukturen zur Vernetzung von KollegInnen im Kampf gegen Kapital und Staat. An diese –oft instinktiv/vorbewussten – revolutionären Tendenzen des reproduktiven Klassenkampfes müssen SozialrevolutionärInnen bewusst anknüpfen. Wir spielen nicht den Schwanz der angepassten Gewerkschaftsbürokratie, wie das zum Beispiel ein nicht unwesentlicher Teil der politischen Linken zu tun pflegt.
Der Hauptort des Klassenkampfes kann nur der kapitalistische Produktionsprozess sein, was die Straße zu einem zwar immer noch wichtigen, aber eben nachgeordneten Kampfplatz macht. Doch auch die „radikalste“ linke Gruppe hat ihren Hauptkampfplatz auf der Straße, was sie schon aus diesem Grunde für den wirklichen antikapitalistischen Kampf untauglich macht.
Kampf gegen den Kapitalismus heißt Zerschlagung aller Staatsformen des Kapitals. Also auch Zerschlagung der Demokratie und des „Sozialismus“. Zwei Staatsformen, welcher der brave Linke nicht bekämpft, sondern gegen „rechts“ beschützen will.
Kämpfen wir gegen den Kapitalismus! Das schließt nicht aus, sondern ein, dass wir auch den Nazis dort ein paar Schläge verpassen, wo es notwendig, sinnvoll und möglich ist –aber ohne Antifaideologie. Wir verteidigen nicht die Demokratie gegen die Nazis, sondern bekämpfen Demokratie und Nazis. Und wir vergessen dabei nicht: Der Antifaschismus gehört auch zur bürgerlichen Politik, die grundsätzlich bekämpft gehört.
Revolutionäre Organe, welche große Teile des Proletariats umfassen, und Instrumente ihres selbstorganisierten Klassenkampfes sind, können nur in der sozialen Revolution entstehen. Doch heutige SozialrevolutionärInnen können und müssen sich schon jetzt organisieren – unabhängig von der politischen Linken, welche sich praktisch und geistig nicht von Kapital und Staat zu befreien vermag.
Sozialrevolutionäre Gruppen dürfen weder Parteien noch Gewerkschaften gleichen. Sie dürfen in sich kein Co-Management der Lohnarbeit und der Politik dulden. In ihnen muss ein permanenter Kampf gegen innere Bürokratisierungsprozesse geführt werden. Dass es in sozialrevolutionären Gruppen keine hauptamtlichen FunktionärInnen geben darf, versteht sich von selbst. Doch damit ist der Kampf gegen bürgerliche Organisationsstrukturen in den Reihen der RevolutionärInnen noch lange nicht erschöpft. Auch die Fähigkeiten von RevolutionärInnen sind unterschiedlich entwickelt. Wie kann also am besten verhindert werden, dass besonders fähige GenossInnen eine neue Hierarchie bilden? Wodurch kann erreicht werden, dass sich alle GenossInnen, auch denen es schwerer fällt, sich aktiv in die revolutionäre Tätigkeit einbringen? Solche Fragen werden innerhalb des Kapitalismus nie vollständig gelöst werden können. Der Kampf gegen die Reproduktion der Klassengesellschaft in den eigenen Reihen ist ein ständiger Prozess. Und er muss konsequent und bewusst geführt werden.
Dies gilt auch für den Kampf gegen alle Tendenzen der Selbstüberschätzung und des Avantgardismus innerhalb sozialrevolutionärer Gruppen. Denn sie sind nicht Führung des Weltproletariats und können es auch gar nicht sein. Sie können bei der Radikalisierung des proletarischen Klassenseins und -bewusstseins wichtige Impulse geben und Prozesse beschleunigen – nicht mehr aber auch nicht weniger. Sozialrevolutionäre Kleingruppen dürfen sich nicht so wie marxistischen Parteien und anarchosyndikalistischen Gewerkschaften für die zukünftigen Massenorgane der sozialen Revolution halten. Denn die zukünftigen revolutionären Massenorganisationen können nur von der Mehrheit des Proletariats in der sozialen Revolution geschaffen werden, aber nicht von revolutionären Minderheiten schon vor der Revolution.
In gesellschaftlichen Krisensituationen kann sich der reproduktive Klassenkampf des Proletariats zur sozialen Revolution radikalisieren. Das Proletariat wird in der revolutionären Situation seine Kampforgane bilden müssen. Wie die konkret aussehen werden, kann heute noch nicht gesagt werden. In der Vergangenheit nahmen die potenziell und tendenziell revolutionären Massenorganisationen die Formen von ArbeiterInnenräten, Unabhängigen Streikkomitees und Vollversammlungen an. Leider waren diese historischen Massenorganisationen des selbstorganisierten proletarischen Klassenkampfes eben nur tendenziell und potenziell sozialrevolutionär. Sie hatten leider objektiv und subjektiv nicht die Kraft die soziale Revolution bewusst zum Siege zu führen! Das Proletariat, Träger des revolutionären Prozesses, war sozial noch zu schwach und geistig noch zu wenig bewusst, um die kapitalistische Warenproduktion und den Staat aufzuheben.
Unter anderem lag dies auch daran, dass die ProletarierInnen noch nicht bewusst antipolitisch waren – trotz des Vorhandenseins von antipolitischen Instinkten. So konnten immer wieder groß- und kleinbürgerliche PolitikerInnen in die Organe des proletarischen Klassenkampfes eindringen und ihnen eine reaktionäre Note verpassen. So war es 1917, als zwischen Februar und Oktober (nach dem alten russischen Kalender) kleinbürgerlich-privatkapitalistische Kräfte die Sowjets (Räte) beherrschten. Und so war es auch nach dem Oktober 1917, als die kleinbürgerlich-politische Kraft des Bolschewismus die Regierungsmacht mit Hilfe der Sowjets eroberte und sich in eine großbürokratisch-staatskapitalistische Kraft umwandelte. 1979 im Iran gelang es islamistischen Mullahs während der Anti-Schah-Bewegung in den Räten streikender ÖlarbeiterInnen Fuß zu fassen und auch dadurch die politische Macht im Lande zu erobern.
Proletarische RevolutionärInnen müssen, wenn sich in der sozialen Revolution Massenorgane des selbstorganisierten Klassenkampfes herausentwickelt haben, ihre eigenen bisherigen Kleingruppen tendenziell in ihnen auflösen. Die bisherige Stärke der revolutionären Kleingruppen, ihre bewusste Klarheit, muss sich mit der Stärke von tendenziell und potenziell revolutionären Massenorganen des selbstorganisierten Klassenkampfes, nämlich die materielle Kraft und Stärke des Proletariats organisiert zum Ausdruck zu bringen, verschmelzen um zu einer bewussten Kraft der sozialen Revolution zu werden!
Die soziale Weltrevolution kann nichts anderes sein als eine permanente Kette der Zerschlagung aller Nationalstaaten. Gleichzeitig muss die Warenproduktion weltweit aufgehoben werden. Dadurch hebt sich das Weltproletariat selbst revolutionär auf und kann sich in eine globale Förderation freier ProduzentInnen verwandeln, welche solidarisch und kollektiv über die Produktionsmittel und Produkte verfügt. Die globale klassen- und staatenlose Gesellschaft ist eine Notwendigkeit für das Weltproletariat, um das eigene Elend aufzuheben. Und solange die kapitalistische Sozialreaktion noch nicht jegliches menschliche Leben ausgerottet hat – leider hat sie die Potenz dazu – auch eine materiell verwurzelte Möglichkeit. Die revolutionären Potenzen des Weltproletariats werden schon heute in den revolutionären Tendenzen des reproduktiven Klassenkampfes deutlich. Und der bewusste Ausdruck der revolutionären Möglichkeiten des Weltproletariats sind heute schon die sozialrevolutionären Kleingruppen.
Sozialrevolutionäre Gruppen aufbauen um gegen das reaktionäre Dreieck, welches der demokratischen Staat, die Nazis und der Antifaschismus bilden, zu kämpfen! Dieses Dreieck ist eine politische Erscheinung, welche sozialökonomisch von der kapitalistischen Produktionsweise genährt wird und auf dieser beruht. Das macht die Stärke dieses Dreieckes aus. Regierende DemokratInnen, Nazis und AntifaschistInnen reproduzieren die bürgerliche Politik als gesellschaftliche Rahmenbedingung der kapitalistischen Ausbeutung, von der auch die Politik lebt. Nur der proletarische Klassenkampf gegen Kapital und Staat vermag das reaktionäre Treiben des demokratischen Staates und seiner Hauslinken/Hausrechten zu beenden!
Der Staat als ideeller Gesamtkapitalist ist samt seiner Nazis und Antifas noch wesentlich stärker als proletarische RevolutionärInnen. Letztere sind heute noch sehr schwach, weil das praktische und geistige Niveau des Klassenkampfes noch relativ gering ist. Doch wenn sich der Klassenkampf radikalisiert, wird auch die soziale Schicht bewusster proletarischer RevolutionärInnen zunehmen. In der möglichen sozialen Revolution wird das Proletariat den Staat und seine Nazis zerschlagen müssen!
Die mögliche soziale Revolution wird von der politischen Linken nichts übrig lassen. Ihre bewussten bürgerlich-reaktionären Teile werden sich auf die Seite der Konterrevolution stellen, während nicht wenige hilflose linke KleinbürgerInnen zwischen Revolution und Konterrevolution schwanken werden. Nur der ehrlichste und proletarischste Teil der heutigen kleinbürgerlich-politischen Linken wird sich zu einer sozialrevolutionären Kraft transformieren können. Dieser sich radikalisierender Teil ehemaliger politischer Linker wird auf die tatkräftige Solidarität jener proletarischen RevolutionärInnen treffen, die sich schon lange vor ihnen eigenständig in sozialrevolutionären Gruppen organisierten. Die bewussten und vorwärts treibenden Subjekte der sozialen Revolution werden also die Mitglieder der heutigen sozialrevolutionären Gruppen, der ehrlichste und proletarischste Teil der ehemaligen politischen Linken und vorher relativ passive ProletarierInnen sein. Mit einem Satz: Die kleinbürgerlich-politische Linke samt ihrem Antifaschismus wird zwischen der großbürgerlichen Reaktion und der proletarischen Revolution gespalten und zerrieben.